Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü


Suche in www.bfn.de

Offenlandmanagement

Offenlandmanagement intensiv genutzter Flächen

Auch außerhalb von landwirtschaftlichen Nutzflächen existiert eine Reihe schützenswerter offener und halboffener Lebensräume in Mitteleuropa. Dies sind einerseits natürliche Pionierlebensräume z. B. in Flussauen oder im Küstenbereich, deren Auftreten in einem hohen Maße von dem Vorhandensein hinreichend dynamischer Verhältnisse in der Landschaft abhängig ist. Andererseits gehören hierzu auch Heide- und Niedermoorbiotope, Beweidung u.a. Der langfristige Erhalt dieser Lebensräume zur Sicherung der ihnen eigenen Biodiversität stellt eine große Herausforderung für den Naturschutz dar. Hierzu bedarf es nachhaltiger und vor allem ökonomisch tragfähiger Konzepte des Biotopmanagements (z. B.  Halboffene Weidelandschaften).

Das BfN hat im Juni 2008 eine Fachtagung zum "Offenlandmanagement außerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen" durchgeführt und die Referate und Ergebnisse als Tagungsband in der Schriftenreihe "Naturschutz und Biologische Vielfalt" ( NaBiV 73) veröffentlicht. Darin werden die angewandten Verfahren des  Biotopmanagements, Redynamisierung, Beweidung, Feuermanagement und massive mechanische Störungen bei Heiden und Pionierbiotopen dargestellt und ihre Potenziale z. T. anhand von Modellvorhaben verdeutlicht.

Die Tagung hatte gezeigt, dass es zur Offenhaltung von Landschaften bzw. zum Management von Offenlandbiotopen auch außerhalb der direkten landwirtschaftlichen Nutzungen bzw. der klassischen Ansätze der Landschaftspflege Verfahren gibt, die geeignet sind, die naturschutzfachlichen Ziele zu erreichen (siehe  Finck et al. (1998), Klein et al. 1997). In Hinblick auf ihre langfristige Wirksamkeit besteht jedoch teilweise noch Erprobungs-, Forschungs- oder Erfolgskontrollbedarf.

Halboffene Weidelandschaften

Ein Konzept ist die Etablierung  halboffener Weidelandschaften. Es beruht auf verschiedenen historischen Vorbildern wie z. B. der "Urlandschaft" vor dem Einwirken des Menschen. Hierbei haben, so wird vermutet, Herden von pflanzenfressenden Großtieren wie Hirsch, Elch, Wisent, Auerochse etc. durch Fraß und Vertritt in bestimmten Bereichen zu einer halboffenen Waldlandschaft geführt. Auch bestimmte traditionelle Wirtschaftsformen wie die nutzungsintensive Waldweide im Mittelalter und die Hudeviehhaltung ergeben ähnliche Landschaftsbilder. Halboffene Weidelandschaften erreichen einen hohen naturschutzfachlichen Stellenwert, nachgewiesen durch Untersuchungen zu Flora und Fauna.

Nach dem heutigen Konzept werden eine großräumige Koppelung und weniger intensive Betreuung des Viehs in möglichst großflächigen und durch Zäune abgegrenzte Bereichen angestrebt.
Dafür sollen Herden von geeigneten Huftieren aufgetrieben werden, die dort nach Möglichkeit ganzjährig in "halbwilder" Form gehalten werden. Als Effekt erhofft man sich eine Landschaft, die einerseits aus offenen und auch durchaus relativ intensiv beweideten Bereichen und andererseits aus unterschiedlichen Sukzessionsstadien einschließlich der natürlichen Schlusswaldgesellschaften besteht.

FFH-Lebensraumtypen besonderer Pflegebedürftigkeit

Es gibt außerdem eine Reihe nutzungsabhängiger FFH-Lebensraumtypen, die einer besonderen Pflege bedürfen. Dazu gehören:

  • Trockene Heiden (4030, 2310, 2320; z. T. 2140, 2150)
  • Naturnahes trockenes Grasland (6210, 6230, 6240, 2330, 6120)
  • Naturnahes feuchtes Grasland (6410, 6440)
  • Mesophiles Grasland (6510, 6520)
  • Salzwiesen (1330, 1340)
  • Feuchte Heiden (4010)
  • Alpine Heiden (4060)
  • Wacholderbestände auf Zwergstrauchheiden oder Kalkrasen (5130)
  • Alpine Rasen (6150, 6170)
  • z. T. Flachmoore (7230)

Letzte Änderung: 21.03.2011

 Artikel drucken