Alte Buchenwälder Deutschlands sind UNESCO-Weltnaturerbe
Hintergrund
Das Welterbekomitee der
UNESCO hat am 25. Juni 2011 auf seiner 35. Sitzung in Paris entschieden, die „Alten Buchenwälder Deutschlands“ in die Liste des Welterbes einzuschreiben. Anfang 2010 hat Deutschland die Aufnahme herausragender alter Buchenwälder in die prestigeträchtige Welterbeliste der UNESCO beantragt. Dabei handelt es sich um ausgewählte Waldflächen aus fünf Schutzgebieten:
Nationalpark Jasmund (Mecklenburg-Vorpommern)
- Serrahn im
Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern)
- Grumsin im
UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg)
Nationalpark Hainich (Thüringen)
Nationalpark Kellerwald-Edersee (Hessen).
Diese Gebiete repräsentieren die wertvollsten Relikte großflächiger naturbelassener Buchenwälder in Deutschland. Sie ergänzen hervorragend das bestehende
UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder der Karpaten (Slowakei und Ukraine), mit denen die deutschen Gebiete nun eine gemeinsame Stätte bilden.
Das Projekt
Der Anerkennung zum UNESCO-Welterbe war ein mehrjähriger Prozess vorangegangen, den das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit mehreren Projekten fachlich begleitet hat. Im Rahmen einer Deutschland weiten vom BfN in Auftrag gegebenen Screening-Studie wurden 2005 die deutschen Buchenwälder als potenzielles UNESCO-Weltnaturerbe identifiziert. In einer ersten Beratung verständigten sich das BMU und die betreffenden Bundesländer darauf, ausgewählte deutsche Buchenwälder als Weltnaturerbe zu nominieren. Eine Machbarkeitsstudie hatte zuvor das Welterbepotenzial deutscher Buchenwaldgebiete detailliert anhand der Kriterien des
UNESCO-Welterbeübereinkommens untersucht und geeignete Gebiete vorgeschlagen.
Im folgenden haben die Länder Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium und dem BfN ein umfassendes Antragsdossier erarbeitet, mit welchem Deutschland am 29. Januar 2010 die Aufnahme herausragender Buchenwälder Deutschlands in die Welterbeliste bei der UNESCO beantragt hat.
Das Antragsdossier umfasste insbesondere eine ausführliche Darstellung der Gebiete und begründete deren weltweite Einzigartigkeit. Des Weiteren wurden die Maßnahmen zur dauerhaften Sicherung des beantragten Welterbes beschrieben. Der gesamte Nominierungsprozess wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) fachlich unterstützt. Dazu zählten die Erarbeitung eines gemeinsamen Managementsystems für die Gebiete im trinationalen Kontext und die Entwicklung eines umfassenden Kommunikationskonzeptes für die serielle Nominierung sowie die fachliche Begleitung des Antragsdossiers.
Trilaterale Zusammenarbeit
Bereits die Machbarkeitsstudie empfahl die Nominierung der deutschen Gebiete als transnationale Nominierung mit Slowakei und Ukraine. Zwischenzeitlich hatten beide Staaten gemeinsam die Nominierung der „Buchenurwäldern der Karpaten“ als Weltnaturerbe bei der UNESCO eingereicht. Deren Einschreibung in die Welterbeliste wurde vom Welterbekomitee im Juli 2007 beschlossen. Nach diesem ersten großartigen Erfolg, sollte die slowakisch-ukrainische Weltnaturerbestätte nun durch das geplante deutsche Buchenwäldercluster erweitert werden. Dazu war die Zustimmung beider Partnerstaaten erforderlich, wie auch vielfältige trilaterale Vereinbarungen im Vorfeld der deutschen Antragstellung. In mehreren Treffen wurde ein Arbeitsprogramm zu den inhaltlichen Schwerpunkten beschlossen, das konkrete Maßnahmen/ Projekte zur deren Umsetzung vorsah. Insbesondere konnte ein gemeinsames Managementsystem für erarbeitet und abgestimmt werden.
Aktive Einbeziehung der Öffentlichkeit

Flyer "Beech Forests in Germany - World Heritage"
Das Nominierungsvorhaben sollte von Anfang an auf eine breite öffentliche Basis gestellt werden. Daher wurde am 6. März 2008, ein Jahr nach dem offiziellen Startschuss für die Nominierung deutscher Buchenwälder als UNESCO-Weltnaturerbe, eine Öffentlichkeitskampagne gestartet, die den gesamten Prozess der Antragstellung an die UNESCO begleitete. Ziel war es, die Bevölkerung kontinuierlich und intensiv über wichtige Schritte auf dem Weg zur Nominierung zu informieren und eine enge Einbeziehung der interessierten Öffentlichkeit in den Regionen gewährleisten.
Insbesondere wurde die Internetseite
http://www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de eingerichtet. Hier können interessierte Bürgerinnen und Bürger umfangreiche Informationen zum Thema Weltnaturerbe sowie zu den letzten naturnahen Buchenwäldern Europas abrufen. Mit dem Internetauftritt hatte die Bevölkerung die Möglichkeit, den gesamten Nominierungsprozess zu begleiten und ständig auf dem neuesten Informationsstand zu sein. Ein Gästebuch ermöglicht es, zum Thema zu kommunizieren, Position zu beziehen und Anregungen zu geben. Darüber hinaus wurde das Faltblatt „Weltnaturerbe Buchenwälder“ herausgegeben, mit dem die Öffentlichkeit anschaulich über die Nominierung informiert und auf die Einzigartigkeit der europäischen Buchenwälder aufmerksam gemacht wurde. Eine großformatige Broschüre informiert zusätzlich über Details der Nominierung und die einzelnen Gebiete. Über die Internetseite können das Faltblatt und alle Veröffentlichungen zum Thema bezogen werden.
Ausblick
Dem verstärkten Schutz wertvoller Buchenwälder ist auch in Zukunft hohe Priorität einzuräumen: Das Welterbekomitee der UNESCO hat die Welterbelistung der deutschen Gebiete mit der Verpflichtung zu einem europäischen Prozess verknüpft, den Erhalt der wertvollsten europäischen Buchenwälder im Rahmen einer möglichen zukünftigen gemeinsamen Welterbestätte sicher zu stellen.
Für die deutschen Welterbegebiete und ihre Partner in der Ukraine und der Slowakei ist die Einschreibung in die UNESCO-Welterbeliste nicht das Ende sondern der Start einer gemeinsamen Reise. Ein
Beratungshilfe-Projekt des BMU unterstützt bereits aktuell die Zusammenarbeit zwischen den insgesamt 15 Buchenwaldgebieten des trilateralen Welterbes.
Publikationen / weiterführende Links
Internetseite Weltnaturerbe Buchenwälder
Nominierungsantrag
UNESCO-Welterbeübereinkommen
Umsetzung des UNESCO-Welterbeübereinkommens in Deutschland
- Plachter, H., Kruse, A. und Kruckenberg, H. (2006): Screening potenzieller deutscher Naturwerte für das UNESCO-Welterbeübereinkommen.
BfN-Skripten 177, 2006
Laufzeit
Seit 2006
Förderprogramm
- Ufoplan
Beratungshilfeprogramm
Projektträger
BfN, BMU, Bundesländer Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen
Beteiligte Partner
Prof. Harald Plachter (Universität Marburg), Frau Dr. Kruse (
Büro für Landschaft und Service, BfLS),
Dr. Susanne Winter,
Prof. Ibisch (HNEE),
Atelier Papenfuss,
Cognitio
Fachbetreuung
BfN-Fachgebiet I 2.3 (Internationaler Naturschutz):
Barbara Engels












